Schwindel und
Vestibulartherapie
Wenn das Gleichgewicht aus dem Takt gerät
Schwindel kann sich ganz unterschiedlich anfühlen: Die Umgebung scheint sich zu drehen, der Boden fühlt sich unsicher an, Bewegungen lösen Beschwerden aus oder beim Gehen entsteht das Gefühl, zur Seite gezogen zu werden. Manche Betroffene beschreiben auch ein Schwanken, Benommenheit oder Probleme, den Blick bei Kopfbewegungen stabil zu halten.
Hinter diesen Beschwerden können sehr unterschiedliche Ursachen stehen. Eine davon ist eine Störung des Vestibularsystems – unseres Gleichgewichtssystems im Innenohr und seiner Verarbeitung im Nervensystem.
Die spezialisierte Schwindel- und Vestibulartherapie setzt genau hier an. Nach einer ausführlichen Befunderhebung wird untersucht, ob und in welcher Form das Gleichgewichtssystem an Ihren Beschwerden beteiligt ist. Auf dieser Grundlage wird die Behandlung individuell auf Ihre Symptome und Ihren Alltag abgestimmt.
Welche Beschwerden können auftreten?
Vestibuläre Störungen können sich beispielsweise bemerkbar machen durch:
- Dreh-, Schwank- oder Bewegungsschwindel
- Schwindel beim Hinlegen, Aufstehen oder Drehen im Bett
- Beschwerden bei schnellen Kopfbewegungen
- Gang- und Gleichgewichtsunsicherheit
- Unsicherheit auf unebenem Untergrund oder im Dunkeln
- das Gefühl, beim Gehen zur Seite zu schwanken
- Schwierigkeiten, den Blick bei Kopfbewegungen ruhig zu halten
- eine scheinbar springende oder verwackelte Umgebung bei Bewegung
- erhöhte Empfindlichkeit gegenüber bewegten oder komplexen visuellen Reizen, beispielsweise im Supermarkt oder in Menschenmengen
- Übelkeit in Verbindung mit Schwindel
- Unsicherheit und zunehmende Einschränkung alltäglicher Aktivitäten
Welche Symptome auftreten, hängt stark von der zugrunde liegenden Ursache ab. Gerade bei einer ein- oder beidseitigen vestibulären Unterfunktion können neben Schwindel unter anderem Blickinstabilität, Gleichgewichts- und Gangprobleme auftreten.
Bei welchen Erkrankungen kann Vestibulartherapie
sinnvoll sein?
Ein besonders häufiges Krankheitsbild ist der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel (BPLS). Dabei lösen bestimmte Lageveränderungen des Kopfes meist kurze, heftige Drehschwindelattacken aus. Nach einer gezielten Lagerungsdiagnostik können abhängig vom betroffenen Bogengang und der vorliegenden Variante, spezielle Befreiungs- beziehungsweise Lagerungsmanöver eingesetzt werden. Die Wirksamkeit dieser Vorgehensweise ist in internationalen Leitlinien und Diagnosekriterien gut etabliert.
Auch nach einem einseitigen vestibulären Funktionsausfall, beispielsweise nach einer Neuritis vestibularis, sowie bei einer
beidseitigen vestibulären Unterfunktion kann gezielte vestibuläre Rehabilitation sinnvoll sein. Ziel ist dann unter anderem, die
Anpassungs- und Kompensationsmechanismen des Nervensystems zu fördern sowie Blickstabilität, Gleichgewicht und sichere Fortbewegung zu verbessern. Für die vestibuläre Rehabilitation bei peripherer vestibulärer Unterfunktion besteht eine gute
wissenschaftliche Evidenz.
Bei Erkrankungen wie vestibulärer Migräne, Morbus Menière oder anhaltendem funktionellem Schwindel (PPPD) kann
vestibuläre Rehabilitation, abhängig von Diagnose und individuellem Befund, ebenfalls Bestandteil eines umfassenderen
Behandlungskonzeptes sein. Hier erfolgt die Therapie sinnvollerweise in Abstimmung mit der ärztlichen Behandlung und
gegebenenfalls weiteren Fachdisziplinen. Die PPPD ist dabei ein anerkanntes chronisches funktionelles vestibuläres Krankheitsbild und keine bloße „eingebildete“ Beschwerde.
Was ist das Ziel der Vestibulartherapie?
Ziel ist nicht lediglich, Schwindel kurzfristig zu unterdrücken. Vielmehr soll das Gehirn darin unterstützt werden, vestibuläre Informationen wieder besser zu verarbeiten und vorhandene Funktionsdefizite möglichst gut zu kompensieren.
Je nach Erkrankung können dabei unterschiedliche Ziele im Vordergrund stehen: ein Lagerungsschwindel soll durch ein korrektes Befreiungsmanöver behandelt werden; bei einer vestibulären Unterfunktion stehen dagegen beispielsweise eine stabilere Blickkontrolle, mehr Sicherheit beim Gehen und Stehen sowie eine bessere Belastbarkeit im Alltag im Mittelpunkt.
Behandlung nach dem Konzept des IVRT®
Meine Fortbildung im Bereich der vestibulären Rehabilitation erfolgte beim Institut für vestibuläre
Rehabilitationstherapie (IVRT®).
Das IVRT bildet seit 2016 Physio- und Ergotherapeutinnen und -therapeuten im Bereich der vestibulären Rehabilitation aus. Nach Angaben des Instituts orientieren sich die Kursinhalte an internationalen
Richtlinien und an den Vorgaben der Bárány Society, der internationalen Fachgesellschaft für neuro-
otologische und vestibuläre Erkrankungen.
Die Behandlung in meiner Praxis orientiert sich entsprechend an einer strukturierten Befunderhebung und einer diagnose- beziehungsweise befundspezifischen Therapie, statt an unspezifischen
Standardübungen für jeden Schwindelpatienten.
Ist Vestibulartherapie für mich geeignet?
Nicht jede Form von Schwindel entsteht im Gleichgewichtsorgan und nicht jeder Schwindel lässt sich physiotherapeutisch behandeln. Deshalb steht eine sorgfältige Einordnung der Beschwerden am Anfang.
Besteht bereits eine ärztliche Diagnose, können vorhandene Befunde gerne in die physiotherapeutische Untersuchung einbezogen werden. Ergeben sich Hinweise darauf, dass zunächst eine weitere medizinische Abklärung erforderlich ist, sollte diese vor beziehungsweise parallel zur Therapie erfolgen.
Sie leiden unter Schwindel, Gleichgewichtsstörungen oder Unsicherheit beim Gehen?
Gerne können Sie Kontakt aufnehmen und gemeinsam mit mir klären, ob eine spezialisierte vestibuläre Untersuchung und Behandlung für Ihre Beschwerden infrage kommt.

